BIOGRAFIE

>> Steckbrief

Am 31.03.1975 wurde ich in Frankfurt am Main, genauer gesagt im Markus Krankenhaus geboren. Ich war der erste Sohn, mein Bruder Sebastian sollte 2 ½  Jahre später folgen, an gleicher Stätte. Meine Mama Gudrun war bis zu meiner Geburt Kindergärtnerin, mein Papa Andreas Bankkaufmann.
Mein Vater war dann auch derjenige, der mich zum Tennis brachte. Ich kam schon als Säugling mit in den SC 1880 Frankfurt und dort durfte ich mir noch viele Jahre lang anhören, auf wessen Schoss ich mit Windeln schon gesessen hatte. Eine bekannte Story ist die, als mein Vater auf mich aufpassen sollte, aber gleichzeitig Tennis spielen wollte. Nun hatte er die clevere Idee, beides zu verbinden. Er stellte den Laufstall auf den Sandplatz, mich hinein, und spielte… Das  hatte dann wohl zur Folge, dass ich diesen Sport auch spielen wollte. Mein Vater präparierte mir ein Holzschläger, und als Knirps, der gerade einmal laufen konnte, rannte ich nun mit diesem immer noch überdimensionalen Schläger durch die Gegend. Mein Vater warf mir nun Bälle zu, die wurden jedoch verweigert. Richtige Männer spielten dieses Spiel schließlich übers Netz! Also musste mein Vater sich meine vergeblichen Versuche, den Ball zu treffen, von der anderen Seite des Netzes geduldig über sich ergehen lassen.
Mit 6 ½ hatte ich dann meine ersten Trainerstunden. Videoaufnahmen dieser Zeit zeigten damals kein riesiges Talent, da muss man ehrlich sein. Trotzdem gut genug, um in meinem Verein gefördert zu werden, und die ersten Erfolge in der Knabenmannschaft zu feiern. Für den Bezirkskader wurde ich jedoch dann mangels Talent abgewiesen, was die positive Folge hatte, dass mein alter Jugendwart Harald König entschied, mir vom Verein aus 3x die Woche Training zu geben. Das war auch wirklich genug, da ich ja 2x die Woche noch Fußballtraining hatte beim BSC 1919 Frankfurt.
Nach ca. 15 Niederlagen in Folge gegen das damalige Riesentalent Christoph Pöhler, der sogar auch noch ein Jahr jünger als ich war, besiegte ich ihn dann irgendwann mit 13 in einem Finale der Bezirksmeisterschaft. Die auf diesen Sieg folgende Anfrage des Bezirks auf Eintritt in den Förderkader wiesen wir dann ab, da ich trainingsmäßig voll ausgelastet war, und mit Gideon Hilb sowieso den besten Trainer Frankfurts hatte.
Meine Helden zu der Zeit waren unsere 1.Herrenmannschaft, wo ich als Schiedsrichter zum Einsatz kam. Da waren Spieler wie Christian Geyer, Horst Skoff, Daniel de Boer, Harald Rittersbacher, Thilo Voll, Libor Nemecek, mein späterer Trainer Carsten Arriens, und der jetzige Davis Cup Teamchef  Patrick Kühnen darunter.
Einmal durfte ich Schiedsrichter sein auf dem Center Court, wo das Doppel Kühnen-de Boer spielen sollte. Kühnen startete, nach dem Aufschlag ertönte ein Knall, und alle guckten mich an. Meine Birne wurde rot, und ich sagte: „Aus?“ Der war einfach zu schnell gewesen. Der nächste war wieder zu hart, und da der Aufschläger dann merkte, dass der Schiedsrichter der Geschwindigkeit nicht gewachsen war, und nach einer komfortablen 5-1 Führung nach den Einzeln die Sache ja eigentlich gelaufen war, servierte er von nun an nur noch 2te Aufschläge. Seit dem Moment mochte ich ihn!
Manche dieser Spieler hatten sogar hier und da mal Zeit, 5-10 Minuten Bälle mit mir zu schlagen. Wenn dann noch einer sagte: „Hey Kleiner, gar keine schlechte Vorhand“ oder so, dann war ich motiviert für die nächsten Wochen. Vielleicht ein Grund, warum ich heute auch immer, wenn ich 10 Minuten Zeit habe, mit irgendwelchen tennisbegeisterteten Kids spiele.
Mit 14 musste ich dann eine Entscheidung treffen, die mir heute noch weh tut. An einem Wochenende trafen sich alle Fußball-Auswahlmannschaften Hessens um daraus die neue Hessenauswahl zu nominieren. Wir hatten eine starke Mannschaft mit den späteren Profis Anicic als Linksaußen und Sobotzik im zentralen Mittelfeld, ich spielte im linken Mittelfeld. Am gleichen Wochenende hatten allerdings die ersten Junioren unserer Tennismannschaft ihr Abstiegsspiel. Ich sollte an Nummer 5 spielen, weil einige der Älteren ausfielen. Beide Verantwortlichen sagten mir, dass ein Nichterscheinen Konsequenzen haben wird. Ich entschied mich, Tennis zu spielen, gewann mein Einzel und das Doppel zusammen mit meinem Kumpel Oliver Schnurr zum entscheidenden 5-4, ein glorreicher Tag. Aber dafür musste ich meine Fußballerkarriere opfern. Im Nachhinein bereue ich diese Entscheidung. Ich hätte kicken gehen sollen, hätte gewusst, wie weit ich komme, die Tennismannschaft wäre eventuell abgestiegen, aber nach etwas Ärger wäre ich immer noch die Nummer 1 des Bezirks gewesen und die Wogen hätten sich geglättet. Mit dem Fußball war das jedoch eine Chance, die nie wieder kam!
Im weiteren Verlauf meiner Tennisjugend gewann ich ein paar nationale Ranglistenturniere, spielte aber nie irgendwelche Jugend-Weltranglistenturniere, ja noch nicht einmal die Deutschen Jugendmeisterschaften. Ich machte mein Abitur am Wöhlergymnasium in Frankfurt und bekam die Einberufung zur Bundeswehr. Zuvor hatte ich mich bei der Helaba für eine Banklehre beworben, wo ich angenommen wurde, diese jedoch zurückstellte um 1 Jahr, um Sanitäter beim Bund zu werden. Meine Grundausbildung war in Rennerod, und die letzten 9 Monate des 12 monatigen Wehrdienstes verbrachte ich als „Sani“ in Montabaur. Da meine Banklehre aber schon 10 ½ Monate nach Beginn meiner Dienstzeit anfing, musste ich meinen kompletten Urlaub plus Sonderdienste am Wochenende aufheben, um pünktlich in der Bank anzufangen und gleichzeitig Urlaub beim Bund zu haben. Mit dem Tennisschläger sah man mich nicht oft in der Zeit.
Auch nach der Bundeswehr war ich in der Bank voll eingebunden und hatte kaum Zeit, Turniere zu spielen. Mein Ausbilder war natürlich daran interessiert, aus mir einen guten Banker zu machen, weshalb Tennis weiterhin keine Priorität genoss (mit Aisnahme eines kurzen Trips nach Italien, wo ich Europameister im Banktennis wurde). Während der Lehre entschloss ich mich, in den USA studieren zu wollen. Ich ging ins Amerika Haus (Internet war damals noch nicht so verbreitet) und informierte mich. Ich wollte nach Californien und dort Marketing zu studieren. Über meinen alten Junioren Coach Jan Dustmann bekam ich die Nummer von einem seiner Freunde in LA, ein Ex-Profi namens Sean Brawley, und der beherbergte mich während den 14 Tagen, an denen ich die Küste von Santa Barbara bis runter nach San Diego nach Unis abklapperte. Er half mir, mit den Unis Termine zu machen, und ich traf einen Coach nach dem anderen. Bei manchen durfte ich vorspielen, manch andere sagten mir, dass ich das aufgrund diverser NCAA-Regeln (Das ist die Organisation, die den Collegesport überwacht) nicht dürfte. Am Ende stand ich mit Angeboten für Stipendien von Santa Barbara, UC Irvine, Pepperdine, UCLA, und den beiden Unis in San Diego da. Ich war besonders vor meinem Trip nach San Diego nervös, traf den Coach, welcher nett war, und das Team, in dem 2 Halb-Deutsche spielten. Ich sollte einen Satz gegen einen ehemaligen Spieler des Teams spielen, und spielte sehr schlecht. Ich war nervös und sicher, dass es nicht genug war, um damit ein volles Stipendium zu bekommen.
Im Anschluss an dieses Spiel hatte ich ein längeres Gespräch mit John Nelson, dem Head Coach des Teams, und er war begeistert von mir. Für mein Deutsches Gemüt war er übertrieben positiv und er erzählte mir, wie toll er mich findet und dass ich es in die Top 100 schaffen würde. Ich sagte ihm, dass ich zur Zeit 199 auf der Deutschen Rangliste sei, und auch glaubte es in die Top 100 zu schaffen. Er lachte, denn er sprach von der Weltrangliste! Nun lachte ich, und sagte ihm, dass er ja ein netter Kerl sei, aber doch nicht so viel von Tennis verstehen würde. Ich hatte ja noch nicht mal einen Punkt!
Im August 1997 flog ich dann zum Studienbeginn nach San Diego, um International Business mit Schwerpunkt Marketing zu studieren. Ich fing als Nummer 3 in unserem Team an, die Aufstellung darf da von Match zu Match geändert werden. Ich hatte etwas Probleme mit der Umstellung auf Hartplatz, aber nach ein paar Monaten kamen auch da die ersten Erfolge. Mein Coach probierte, mir vieles beizubringen, da er jedoch selbst kein guter Spieler war hatte ich Problem damit, ihm seine Theorien abzukaufen. Er hätte nämlich die ein oder andere Trainerstunde von mir gebrauchen können.
Im 2. Jahr war ich dann sehr gestresst, weil die Schule mir viel Zeit abverlangte und der Tag kam, an dem ich einfach zu müde war um immer wieder gegen den Coach zu arbeiten. Also machte ich einfach das, was er sagte, so blödsinnig es auch klang. Komischerweise fühlte sich das gar nicht so schlecht an. In der Folgezeit stellten wir mein Spiel und meine Schläge um. Meine Aufschlagbewegung änderten wir, genauso wie mein Volleyspiel. Es funktionierte, und mehrere Erfolge kamen. Ich fing nun auch an mit Larry Willens, dem ehemaligen Coach von Rod Laver, am Mentalen zu arbeiten und verbrachte viel Zeit mit ihm. Im Sommer hatte ich größere Erfolge auf dem Satellite und Future Level, und viele rieten mir, Profi zu werden. Ich sprach lang mit Coach Nelson und der erklärte mir, dass wenn ich mein letztes Jahr in San Diego noch machen würde er mir nach meiner Karriere erstens meinen Abschluss an der Uni bezahlen wollte, und zweitens er mir noch das ein- oder andere beibringen könne. Larry sah das genauso und ich machte 2000 mein letztes Jahr an der Uni, nun schon 290 auf der ATP-Weltrangliste.
 Im Sommer 2000 wurde ich dann Profi, und hielt mich so um die 260 in der Welt für ein Jahr. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit meinem heutigen Manager Dirk Hordorff, der mir erklärte, dass er sehr überrascht sei, wie ich mich entwickelt hätte, und das er nie gedacht hätte, dass ich so gut spielen könnte. Nun sei er jedoch ganz anderer Meinung. Er meinte, dass ich noch viel weiter kommen könnte und mir nun überlegen sollte, warum ich um die 300 stehe, und was Spieler machen die Top 100 sind. Einen Monat später hatte ich einen Athletic Coach (Yannick Obenauer), einen Physiotherapeuten (Jens Freimuth), und einen mit mir reisenden Trainer (Patrick Sommer). Natürlich waren nicht alle nur für mich zuständig, aber wir arbeiteten auf einer konstanten Ebene zusammen.
1 Jahr später war ich die #100 der Weltrangliste. Das Telefon klingelte, und eine amerkanische, mir sehr gut bekannte Stimme, fragte mich, wer nun Ahnung vom Tennis hätte? Ok, ich weiß nichts, und John Nelson ist allwissend…
Ein weiteres Jahr verging, und Patrick und ich trennten uns als Freunde. Wir hatten eine sehr gute und erfolgreiche Zeit zusammen gehabt. Mit Carsten Arriens wählte ich dann einen neuen Trainer, mit dem neue Ziele verfolgt wurden. Unter ihm schaffte ich es, auf 89 im Einzel und 24 im Doppel vorzurücken, und ich wurde Davis Cup Spieler, der Traum eines jeden Jungen.
Bei meiner ersten Nominierung wurde ich zwar nicht eingesetzt, durfte aber immerhin mit Tommy, Rainer und Kiwi den gleichen Anzug tragen. Am Mittwochabend um 19.30 wollte Teamchef Patrick Kühnen das Team nominieren, und als es um 19.20 an der Tür klopfte, wollte ich erst gar nicht aufmachen. Ich wusste, dass ein guter Teamchef demjenigen, der 5. Mann sein würde, vorher Bescheid gibt. Ich fragte ihn, ob er nicht vielleicht an der falschen Tür geklopft hatte? Nein. Ich hätte gut trainiert und mich auch sonst sehr eingebracht, jedoch vertraute er den erfahrenen Spielern mehr und ich wäre 5. Mann. Ich akzeptierte die Entscheidung, sagte ihm aber auch, dass sie falsch sei. Wir verloren gegen Weißrussland, das sehr stark spielte, und stiegen aus der Weltgruppe ab.
Im nächsten Jahr war es aber dann so weit, und ich durfte mein Debüt gegen Israel geben. Im Team waren Schüttler, Kiefer, Haas und ich. Alleine die Trainingswoche war schon der Wahnsinn, mit 3 Topleuten wie diesen zu trainieren. Wir gewannen beide Einzel am Freitag locker in 3 Sätzen. An der Seite von Tommy Haas schlugen wir dann am Samstag Erlich-Ram, Nummer 8 der Welt, nach 0-2 Satzrückstand, noch in 5 Sätzen. Und nach der Pressekonferenz kam der Teamchef zu uns und meinte, dass wir uns beeilen sollten, der Jet vom Aktuellen Sport Studio würde warten, um uns nach Mainz zu fliegen. Ich habe zwar beim Torwandschiessen versagt, es war aber trotzdem eine tolle Erfahrung.